Geschichte der Juden in Jena

Als Jena in der ersten Hälfte des 13. Jh. zur Stadt erhoben wurde, bestand bereits eine kleine jüdische Gemeinde. 1350 fielen die Jenaer Juden, wie in anderen Thüringer Städten, einem Pogrom zum Opfer. 1390 belegt eine Urkunde wieder die Existenz einer jüdischen Gemeinde. Es gab eine kleine Synagoge und zeitweilig lebte auch ein Rabbiner hier. Ab 1431 wurden die Juden aus Jena wie aus ganz Thüringen erneut vertrieben.

Die Universität Jena nahm im 17. und 18. Jh. jüdische Studenten auf, wenn sie sich taufen ließen. Anfang des 19. Jh. wechselten einige jüdische Professoren von anderen Universitäten nach Jena. Die Ansiedlung von jüdischen Kaufleuten wurde in Jena erst nach der Reichsgründung von 1871 möglich.

Zwischen 1900 und 1938 gab es etwa 40 Geschäfte in der Hand jüdischer Kaufleute. Außerdem lebten in Jena eine Reihe jüdischer Wissenschaftler von der Universität und den beiden großen Firmen Carl Zeiss und Otto Schott. Sie bereicherten das kulturelle Leben der Stadt. Eine herausragende Persönlichkeit war der Rechts-gelehrte Prof. Eduard Rosenthal, Ehrenbürger der Stadt, der u. a. im Jahr 1920 die Verfassung des ersten Freistaats Thüringen entworfen hatte.
Von 1896 bis 1909 bestand eine Israelitische Religionsgemeinschaft. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Israelitische Religionsgemeinschaft zu Jena neu gegründet. Eine Synagoge gab es nicht. Die religiösen Feste und die Sabbatgottesdienste wurden in Gaststätten, später im Privathaus eines Mitglieds gefeiert.

Bereits 1930 erhielt der Rassekundler Hans Günther eine Professur an der Universität Jena. 1936 wurde Karl Astel Professor für Menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung. Die antijüdischen Maßnahmen ab 1933 trafen auch die Jenaer Juden. Im Oktober 1938 wurden alle aus Polen stammenden jüdischen Familien abgeschoben. In der sog. „Reichskristallnacht“ wurden einige Schaufenster jüdischer Geschäfte eingeschlagen oder überklebt. Am nächsten Tag jedoch wurden 18 jüdische Männer in das KZ Buchenwald transportiert und erst im Laufe des Dezember 1938 wieder entlassen. Einer von ihnen wurde umgebracht. Die jüdischen Frauen wurden einen Tag lang in einer Baracke festgehalten.

Einigen Familien gelang die Emigration. Ab 1942 wurden die verbliebenen jüdischen Mitbürger nach und nach in Konzentrationslager deportiert, der letzte Transport betraf acht Ehefrauen nichtjüdischer Partner am 31. Januar 1945. Für die in den Konzentrationslagern Ermordeten und für diejenigen, die vor der Deportation den Freitod wählten, haben die Stadt Jena und der Jenaer Arbeitskreis Judentum vor 18 Häusern 34 Stolpersteine setzen lassen.

Seit 1990 bilden jüdische Einwanderer aus den GUS-Staaten wieder eine Gemeinde mit einem Gemeindezentrum in Jena als Teil der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.