Geschichte der Juden in Gera

Jüdische Zuwanderer hatten seit 1867 die Möglichkeit, das Heimat- und Bürgerrecht in Gera zu erwerben. Die jüdischen Mitbürger leisteten einen großen Beitrag zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Stadt. Die Familien Biermann, Jankelowitz und Tietz gründeten Kaufhäuser in Gera. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Geschichte des großen Warenhauskonzerns Hermann Tietz, später HERTIE, zu nennen, die in Gera begann. Die Namen Schalscha, Cohn und Halpert sind mit der Chromleder-, Damenmäntel- und Teppichfabrikation verbunden. Dagobert Halpert übernahm als Mitglied des Gemeinderates kommunalpolitische Verantwortung. Durch ein schöpferisches Miteinander schienen die jahrhundertelange Unterdrückung und das Leiden des jüdischen Volkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Vergangenheit anzugehören.
Jedoch folgte dieser Zeit des Aufbruchs das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus, bei dem die jüdische Bevölkerung auch in Gera verfolgt, deportiert und vernichtet wurde. Gera hat 212 Opfer des Holocaust zu beklagen.
Seit Oktober 2012 erinnert eine Gedenktafel am Hauptbahnhof an die 1938 und 1942 deportierten jüdischen Mitbürger von Gera. Die Geschichte und das Leiden der jüdischen Bevölkerung aus Gera hat Werner Simsohn, selbst betroffener des Naziterrors gegen die Juden in Gera, in einer dreibändigen Bücherreihe aufgeschrieben. In jahrzehntelangen, mühevollen Recherchen erstellte er diese Dokumentation. Dafür wurde er 1998 zum Ehrenbürger von Gera ernannt.