Stolpersteine Arnstadt

Seit 2007 forscht Jörg Kaps zur jüdischen Geschichte in Arnstadt

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127 Stolpersteine erinnern inzwischen in Arnstadt an jüdische Mitbürger, die nach 1933 vertrieben und häufig ermordet wurden. Der Stadtrat hatte sich Ende 2006 zu dieser Aktion bekannt. Damals versprach Jörg Kaps als Mitglied der AG "Demokratie braucht Zivilcourage", sich um die Recherchen zu kümmern. Seitdem lässt ihn das Thema nicht mehr los.

Zunächst stützte sich der Sozialarbeiter bei der Stadtjugendpflege auf eine Publikation des ehemaligen Arnstädter Superintendenten Wolfgang Tittelbach-Helmrich. Um dann festzustellen, dass er einfach mehr wissen wollte über das Schicksal dieser Menschen. Wo haben sie gelebt, womit ihr Geld verdient? Wo sind sie gestorben und wer aus diesen Familien hat überlebt?

"Ich wollte bei der Verlegung der Stolpersteine nicht nur das Geburts- und Sterbedatum vorlesen. Das wird diesen Menschen nicht gerecht", sagt Jörg Kaps. Er begann mit seinen Recherchen in der Gedenkstätte Buchenwald, wo man ihm auch half, den Kontakt in die Niederlande herzustellen. Jüdische Familien aus Arnstadt waren dorthin emigriert, bevor sie von Terror und Deportation eingeholt wurden. Mit Jeroen, inzwischen ein guter Freund, konnte Jörg Kaps auch die Sprachbarriere zum ehemaligen Lager Westerbork überwinden. Es war Ausgangpunkt für Transporte in die Vernichtungslager. Kaps schrieb an den Suchdienst des Roten Kreuzes, knüpfte Kontakte nach Israel, machte Überlebende oder deren Nachkommen unter anderem in Argentinien ausfindig. Es entstanden zum Teil sehr herzliche Kontakte wie zu Robert Cohen in den USA, dessen Mutter Erica Samuel fliehen konnte. Die Großeltern starben im KZ. Von Erwin David in Amsterdam wiederum hat er viel Neues über die Familie Friedmann erfahren.

Jörg Kaps nahm auch Kontakt mit der einzigen, heute 96-jährigen Überlebenden der Familie von Leo Ehrlich auf, an die seit Mai 2010 elf Stolpersteine in der Thomas-Mann-Straße erinnern.

Anfangs schrieb Kaps die Ergänzungen noch mit Bleistift in das Buch von Tittelbach-Helmrich, später legte er Zettel hinein. Denn es wurden immer mehr Menschen mit ihren Lebensgeschichten zwischen Glück und Verzweiflung. Neben den Lebensläufen wuchs auch die Sammlung mit Fotos und Dokumenten. Darunter Deportationslisten von Westerbork nach Bergen-Belsen und die Häftlingskarte von Walter Hirschmann. Ein Bild zeigt das Grab von Leo Ehrlich auf einem jüdischen Friedhof in der Nähe von Hamburg. Er wurde in der Heil- und Pflegeanstalt in Bernburg vergast.
Berührend sind die Fotos, die den Opfern des Terrors ein Gesicht geben. Wir sehen sie im Kreis der Familie, zur Hochzeit, vor dem Gymnasium. Lachend oder mit ernster Miene.

Eines Tages möchte Jörg Kaps die Ergebnisse seiner Nachforschungen gern in einem Büchlein zusammenfassen. Aber bis dahin sei es noch ein langer Weg, sagt der 47-Jährige.

Quelle: Artikel von Antje Köhler vom 07.10.2010 in der Thüringer Allgemeine