Geschichte der Juden in Arnstadt

In Arnstadt bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Die erste Erwähnung von jüdischen Einwohner liegt aus dem Jahr 1264 vor. Bei einer am 6. und 8. August 1264 stattgefundenen Judenverfolgung wurden fünf jüdische Einwohner ermordet. Die Gemeinde hatte zu dieser Zeit eine Synagoge und einen Friedhof an der Ichtershäuser Straße.
Bei den Judenverfolgungen in der Pestzeit 1348-49 wurden fast alle der jüdischen Einwohner ermordet (in Arnstadt fand der Mord im Februar 1349 statt). In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts oder spätestens seit 1418 ließen sich erneut Juden in Arnstadt nieder. 1412 wird ein "Judenberg" genannt, der sich wohl in der Nähe von Holzhausen westlich von Arnstadt befand. Die 1418 oder kurz vorher genannten jüdischen Personen waren aus Erfurt nach Arnstadt zugezogen. 1429 wurden 53 jüdische Einwohner gezählt. 1441 wird ein jüdischer Mann mit dem Herkunftsnamen "von Nordhausen" genannt. In diesem Jahr (1441) erfolgte eine weitere (nur vorübergehende?) Vertreibung der oder zumindest einiger Juden aus der Stadt. 1444 wird wieder ein aus Schmalkalden zugezogener Jude in Arnstadt genannt, 1445 ein Jude mit Namen Lehmann. Die jüdischen Einwohner lebten vor allem vom Geldhandel. 1466 kam es zur Vertreibung aller Arnstadter Juden.

Im 16./17. Jahrhundert lebten zeitweise jüdische Personen in Arnstadt. 1526 wird ein in Arnstadt wohnhafter Jude genannt. 1681 soll es zu einer weiteren Vertreibung der jüdischen Familien und Zerstörung ihrer Häuser gekommen sein.

Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es wiederum zur Bildung einer jüdischen Gemeinde. 1874 zog eine erste jüdische Familie in der Stadt zu. 1877 lebten bereits 40 jüdische Personen in der Stadt. Die offizielle Gründung der Arnstadter "Synagogengemeinde" erfolgte am 1. Januar 1888.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen jüdischen Friedhof (Beisetzungen bis 1912 in Plaue, dann auf einem eigenen jüdischen Friedhof). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Landrabbinat Sachsen-Meiningen. Von den jüdischen Familien wurden mehrere Gewerbebetriebe und Handlungen eröffnet, darunter einige Textilgeschäfte und Viehhandlungen.

1933 wurden 121 jüdische Einwohner in Arnstadt gezählt. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ist ein Teil von ihnen in der Folgezeit aus Arnstadt weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört sowie Häuser und Wohnungen der jüdischen Familien überfallen und verwüstet. 30 jüdische Männer wurden verhaftet, im Keller des Rathauses eingesperrt und misshandelt, ein Teil von ihnen wurde in das KZ Buchenwald verschleppt, wo einer von ihnen ermordet wurde. Bis 1940 sind etwa 60 der jüdischen Einwohner emigriert. Im Frühjahr 1940 mussten die letzten jüdischen Einwohner in einigen "Judenhäusern" zusammenziehen (u.a. im Wohnhaus des Bankiers Siegmund Hirschmann in der Karolinenstraße 2), von wo sie später deportiert wurden. Im Sommer 1944 bestand keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt.

Nur 12 jüdische Einwohner Arnstadt überlebten die Deportation beziehungsweise den Aufenthalt in einem Konzentrations- oder Vernichtungslager.

Auf dem Friedhof am Parkweg befindet sich im jüdischen Friedhofsteil ein von der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen gestifteter Gedenkstein mit der Inschrift: "Dem Gedenken der jüdischen Bürger, die Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft wurden".
Ein Gedenkbuch zur Erinnerung an die früheren jüdischen Einwohner wurde 2009 fertiggestellt. Seit 2007 wurden in mehrfachen Aktionen "Stolpersteine" für jüdische Einwohner verlegt.