Geschichte der Juden in Apolda

Seit um die Mitte des 19. Jahrhunderts sich ein erster jüdischer Zuwanderer in Apolda niederließ, kann man von einer fast hundertjährigen jüdischen Anwesenheit in der Stadt sprechen. Es gibt bis Ende der 1920er Jahre eine fast stetige Zunahme, aber dann seit dem Machtantritt der „Nationalsozialisten“ eine abrupte Umkehr dieser Entwicklung bis hin zur Deportation der letzten, die keine Möglichkeit oder Notwendigkeit sahen, Deutschland zu verlassen und sich vor ihrer Ermordung zu retten.

Nach unseren Ermittlungen haben zwischen 1845 und 1945, also im Zeitraum eines Jahrhunderts, mindestens 300 Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft für ein Jahr - manche sogar ihr Leben lang – in dieser Thüringer Stadt der Textilindustrie gelebt. Viele von ihnen wurden durch die Möglichkeit angezogen, in dieser damals aufstrebenden kleinen Industriestadt ihr Auskommen zu finden. Viele von ihnen waren im Handel tätig. Einige dieser Läden gehörten für viele Jahre und Jahrzehnte ganz selbstverständlich zum Stadtbild, darunter zwei jüdisch (bzw. gemischt) geführte repräsentative Kaufhäuser in Jugendstil-Architektur.

Von den in der Nazizeit 1935 nach deren Rassekriterien registrierten 115 Juden (dazu gehörten auch „Halb- und Vierteljuden“) ist etwa ein Drittel 1945 nach Apolda zurückgekehrt, ein Drittel hat sich durch rechtzeitige Emigration retten können, und ein Drittel von ihnen wurden ermordet. Ihrem Gedenken besonders gilt die Arbeit des Vereins Prager Haus Apolda e.V.